Des Pudels Kern: Was ist Gottesdienst?

Veröffentlicht von Christian Brodowski am So., 15. Sep. 2019 00:00 Uhr
Öffentlichkeitsarbeit

Die letzten Wochen und Monate hat sich der Kirchengemeinderat der Paulskirche ausführlich mit unserem Gottesdienst beschäftigt. Warum ist er uns wichtig? Und vor allem: Was ist das eigentlich? 

Gottesdienst ist ja ganz viel. Hoffentlich spannend. Vielleicht tiefsinnig. Manchmal unterhaltsam. Manchmal auch ein bisschen peinlich. Immer anders. Obwohl manches vertraut bleiben muss. Ab und zu regt er Gedanken an, dann wieder regt er nur auf oder lässt ganz kalt. Gottesdienst ist Anker in der Woche und ein viel zu früher Pflichttermin. Er ist Oase und Wüstenerfahrung. Er ist für die eine Gewohnheit und für den anderen ein lange aufgeschobenes Wagnis.  

Hoffentlich fühlen Sie sich bei uns im Gottesdienst willkommen. Hoffentlich schaffen wir es immer wieder, Sie in ihrem Alltag abzuholen und trotzdem etwas zu Wort kommen zu lassen, was unseren Alltag übersteigt. Hoffentlich ist Gottesdienst menschlich und lebensnah und gleichzeitig voll von Begegnungsmöglichkeiten mit Gott, der unsere Vorstellungskraft immer wieder sprengt. Aber was ist eigentlich des Pudels Kern? Was ist Gottesdienst auf den Punkt gebracht?  

Die Zutaten eines Gottesdienstes sind: eine Menge Vorbereitung, ein Feiertag am Wochenende, der Gang zur Kirche, Glockengeläut, ein freundlicher Empfang, erste Töne und Worte, gemeinsamer Gesang, Gebete und Lesungen, Lichter und Farben, Kerzen und Blumen, Emotionen und ein bisschen Bewegung. All das gehört dazu. Aber ist das alles?  

Schon das Wort ist ja nicht eindeutig. Ist es unser Dienst für Gott? Oder Gottes Dienst an uns? Ja, genau. Beides. Gott dient uns, er macht sich begreifbar (etwa im Abendmahl ganz wörtlich) und verständlich (in dem er durch Lesungen, Predigt usw. zu Wort kommen will). Und wir dienen ihm als Antwort mit unserem Lob und Dank und mit unserem Leben (nicht nur im Gottesdienst!).  

KonfirmandInnen lernen die vier B‘s als die Kennzeichen der ersten Christen kennen (zum Nachlesen in Apostelgeschichte 2,42). Für sie war essentiell: die Gemeinschaft untereinander (Brüder und Schwestern), das Hören auf Gottes Wort (Bibel), das Feiern des Abendmahls als Form innigsten Gemeinschaft untereinander und mit Jesus (Brotbrechen) und natürlich das Gespräch mit Gott (Beten).  

All diese Elemente kommen in fast jedem Gottesdienst vor. Und doch geht es noch kürzer. Gottesdienst ist: Zeit mit mir. Zeit mit Dir. Zeit mit Gott.  

Der Meister der Prägnanz ist natürlich Martin Luther. Zur Einweihung einer Kirche bringt er einmal auf den Punkt, was ein evangelischer Gottesdienst ist, nämlich „dass nichts anderes darin geschehe, denn dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort, und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang".

Andres gesagt: Gott spricht zu uns. Wir antworten.

Gottesdienst ist also der Raum für das Gespräch mit Gott. Allerdings braucht auch dieser Raum eine Einrichtung. Das nennen wir Liturgie. Sie soll dem Gespräch dienen. Und manchmal verändert man etwas an der Einrichtung. Am Stil. Denn dieser Raum ist kein Museum. Er ist das Zentrum unseres Gemeindelebens, dem wir nichts vorziehen.

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